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verdi-Info Nr. 7/2014

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Info Nr. 7/2014 35. Jahrgang (Info mit vier Sternen ****) vom 17. Juli 2014

Inhalt:

  • Mehr Geld dank uns – wir sind die GUTEN
  • Mindestlohn, Filosofen
  • 10.9. Betriebsgruppe
  • Bericht vom 16. Comicsalon
  • 15.9. MV Ortsverein Erlangen Aus der Praxis, Nachhaltigkeit?
  • Kurz & knackig (u.a. Aus der Praxis, Nachhaltigkeit?, Bilderrätsel, Resonanz im Internet, Janik`s Zweitjob, Neues von Herrn L., anfordern, surfen 149, neues Begrüßungskonzept, Stadtrat nimmt Kindern Rutschplätze weg, Veranstaltung zu Soma, Culdur mit Konzertbericht „Marcus Wiebusch“, Zeitplaner, Nachhaltig ?!?, Dialegtbeaufdragdn Nord mit Bild!)

 

Jetzt gab's mehr Geld!

Ihr könnt Euch bei allen ver.di  Mitgliedern bedanken!

Denn: Fast 90 % der Mitglieder haben dem Verhandlungsergebnis zugestimmt.

Damit ist die Tarifrunde 2014 erfolgreich beendet!

Tarifergebnis 2014 ver.di Tarifergebnis 2018

Die Ergebnisse im Einzelnen:

  • Erhöhung der Tabelle um 3%, mindestens 90€, rückwirkend zum 01. April 2014.
  • Zum 01. Mai 2015 eine weitere Erhöhung um 2,4%
  • 30 Tage Urlaub für alle, bereits in 2014.
  • Einmalzahlungen für entgangene Bewährungsaufstiege von 360€ in 2014 und 2015.

Für die Auszubildenden gilt:

  • Erhöhung der Ausbildungsvergütung um 40 € zum 01. April 2014.
  • Zum 01. Mai 2015 eine weitere Erhöhung von 20 €.
  • Ein Tag mehr Urlaub! Erhöhung des Urlaubs auf  29 Tage.
  • Die Übernahmeregelung für Azubis wurde verlängert.

Die Laufzeit ist bis zum 31. März 2016.
 
Danke an alle, die durch die Beteiligung  – an den Streiks (bundesweit waren es über 300.000!) und auch an der Mitgliederbefragung – zu diesem Erfolg beigetragen haben!  
Vielleicht denkst Du, es wäre mehr drin gewesen?
Mehr geht nur mit noch mehr Engagement, mit noch mehr Mitgliedern.
Aber: nach der Tarifrunde ist vor der Tarifrunde!
Und mehr erreichen mehr!
Deshalb:
Mitglied werden!
Mitglieder werben!

Tarifergebnis 2014 (II) ver.di Tarifergebnis 2014 (II)

Mindestlohn - Anfangs belächelt, heute ganz vorn - ver.di und NGG haben 2006 die Initiative Mindestlohn gegründet

Deutschland bekommt den Mindestlohn

Deutschland bekommt endlich den Mindestlohn! Ein historischer Tag für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und Gewerkschaften. Zeiten der legalen Lohndrückerei gehen langsam zu Ende. Auch wenn dem Mindestlohn auf den letzten Metern noch einige Stolpersteine in den Weg gelegt wurden.

Bundestag und Bundesrat haben Anfang Juli 2014 die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro pro Stunde zum 1. Januar 2015 beschlossen. Die wirtschaftlich stärkste Nation Europas ist zwar in vielen Belangen ein Musterland, nicht aber beim Mindestlohn. Unter unseren westeuropäischen Nachbarn war Deutschland ohne einen gesetzlichen Mindestlohn das Schlusslicht. Mehr als ein Jahrzehnt haben Gewerkschaften für den gesetzlichen Mindestlohn gekämpft. Mit dem Beschluss des Bundestages wird unwürdiger Entlohnung nun endlich ein Riegel vorgeschoben, auch wenn auf Druck der CDU mit unsachlichen und politisch völlig überzogenen Einwänden einige überflüssige Ausnahmen beschlossen wurden. Die Gewerkschaften lehnen diese Ausnahmen weiterhin ab, aber sie ändern nichts an der historischen Bedeutung des gesetzlichen Mindestlohns. Der Mindestlohn wird das Einkommen von mehr als 3,7 Millionen Beschäftigten verbessern, ihre Kaufkraft erhöhen und auf die deutsche Volkswirtschaft wie ein zusätzliches Konjunkturprogramm wirken.

Damit nicht genug: Der gesetzliche Mindestlohn stärkt die Tarifautonomie. Er schafft ein stabiles Fundament, auf dem sich das Tarifsystem entfalten kann. Der Tarifabschluss in der Fleischindustrie zeigt, dass der Mindestlohn jetzt schon wirkt. Er zwingt Arbeitgeber an den Verhandlungstisch, die sich jahrelang tariflichen Vereinbarungen verweigert haben.

wir sind die Guten ver.di

Doch der Bundestag hat noch mehr beschlossen: Künftig können die Branchenmindestlöhne im öffentlichen Interesse leichter eingeführt werden. Das stärkt die Tarifautonomie, schützt Beschäftigte vor Armutslöhnen und stärkt tarifgebundene Unternehmen vor unfairem Wettbewerb.

Dadurch sind Geschäftsmodelle nicht mehr möglich, die nur existieren, weil Menschen finanziell ausgebeutet werden. Wer als Unternehmen am Markt bleiben will, muss sein Geschäft auf fairen Arbeitsbedingungen und gerechten tariflichen Löhnen gründen. Nur das garantiert auch fairen Wettbewerb.

Der Mindestlohn als Einkommensuntergrenze stärkt die Verhandlungsposition der Gewerkschaften, tarifliche Verbesserungen sind leichter möglich. Er verbessert auch die öffentlichen Haushalte, weil weniger Sozialausgaben anfallen, um Hungerlöhne mit öffentlichen Mitteln aufzustocken.

Jetzt kommt es darauf an, den Mindestlohn auch in der Praxis flächendeckend durchzusetzen. Seine Einhaltung muss scharf kontrolliert und sanktioniert werden. Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit wird ihre zusätzlichen Aufgaben nur meistern können, wenn sie personell aufgestockt wird – die geplanten 1.600 zusätzlichen Stellen sind ein erster wichtiger Schritt, aber nicht ausreichend. Eine bundesweite Hotline muss eingeführt werden, bei der Verstöße gegen das Mindestlohngesetz anonym gemeldet werden können – von den Betroffenen, aber auch von Unternehmen, die sich gegen Schmutzkonkurrenz zu Wehr setzen wollen.

Der Mindestlohn ist ein Beispiel für eine erfolgreiche Initiative, mit der sich ver.di für die Interessen ihrer Mitglieder einsetzt. Eine von vielen großen wie kleinen Ideen, mit der eine starke Gemeinschaft wie ver.di Erfolg haben kann.

Kompliment an meine Mannschaft und meinen Dank an die Mediziner. Sie haben Unmenschliches geleistet.

Berti Vogts

16. internationaler Comicsalon vom 19. bis 22.6.2014

Nachdem das ver.di-Info als Presseorgan offiziell zum Comicsalon Erlangen (CSE) akkreditiert wurde, nutzten wir natürlich die Gelegenheit und tauchten vier Tage in die Welt der Comics ein.

Zeichnung von Tardi rh Zeichnung von Tardi

Es ist erstaunlich und im höchsten Masse anerkennenswert was das städtische Kulturprojektbüro mit überschaubaren Personal- und Finanzkapazitäten für vier Tage so alles auf die Füsse stellt. Mit dem Comicsalon hat Erlangen damit den Ruf bzw. das Image einer internationalen Comicstadt.

Deutlich über 25.000 Besuchern, eine zentralen Messe mit 200 Ausstellern im Kongresszentrum, 30 Ausstellungen in der ganzen Innenstadt, weit über 400 Künstlerinnen und Künstler anwesend und rund 200 Einzelveranstaltungen machen den CSE zum wichtigsten Festival für grafische Literatur im deutschsprachigen Raum.

Mit der Hauptausstellung „Landschaft des Todes – Jacques Tardi und der Erste Weltkrieg“ wurde ein künstlerisches Highlight gesetzt. Mit den zurückhaltend kolorierten Zeichnungen macht Tardi Schmutz, Blut, Lärm, Gestank, Langeweile, Angst und Apathie greifbar. Immer wieder gibt es verstümmelte und aufgeplatzte Körper zu sehen, hohle tote Augen stieren ins Nichts. Dies wird eindrucksvoll durch die einen Schützengraben nachempfundene Ausstellungsarchitektur unterstützt.

Tardi Ausstellung rh Tardi Ausstellung

Ein weiteres Highlight war das über den gesamten Schloßplatz aufgebaute Leporello des amerikanischen Comic-Reporters Joe Sacco, das den ersten Tag der Schlacht an der Somme 1916 darstellt. Das 70 Meter breite Panorama erregte große Aufmerksamkeit. Es ist sehr schade, dass die Ausstellungen nicht länger zu sehen waren. In der viertägigen CSE-Hektik ging so manche der vielen Ausstellungen in der Erlanger Innenstadt unter. Wer sich durch die Ausstellungen bewegte musste aber auch feststellen, dass die Qualität mancher Ausstellungen über ein sehr bescheidenes Niveau nicht hinaus kamen. Für künftige CSE wären weniger Ausstellungen, dafür vielleicht über einen längeren Zeitraum zu sehen, wohl mehr. Rätselhaft ist auch, warum im städtischen Museum eine begleitende Ausstellung gezeigt wird, im Kunstpalais oder im Stadtarchiv dagegen nicht. Da könnten noch städtische Synergieeffekte ohne großen Aufwand erzielt werden.

Max und Moritz-Preis fb Ralf König erhält den Max und Moritz-Preis

In der Messe reichte das Angebot zahlreicher Comicverlage vom Manga bis zum Avantgardecomic, dazu kamen zahlreiche Händler mit alten und neuen Comics, samt dazu gehörigen mehr oder weniger künstlerischen Comicfiguren bis zu einschlägigen Spielzeugs. Viele nutzten die Chance sich eine Zeichnung der ausgiebig signierenden Künstler zu holen. Wie bei den letzten Male konnten Sticker für ein Comicsalonpaninialbum gesammelt werden. Nicht wenige hetzten von Stickerauslegestelle zur Nächsten, ohne einen Blick auf das Umfeld oder die dazu gehörenden Ausstellungen zu werfen.

Ein Höhepunkt des CSE ist die Gala am Abend des Freitags im Markgrafentheater zur Verleihung des Max- und Moritzpreises. Die Max und Moritz-Gala wurde von Hella von Sinnen und dem Schweizer Journalisten und Comic-Experten Christian Gasser moderiert. Dr. Florian Janik, Oberbürgermeister der Stadt Erlangen, überreichte die bedeutenden Auszeichnungen in den verschiedenen Kategorien. In seinem Grußwort bekannte er sich ausdrücklich zum CSE und versprach das Thema Comic auch über den CSE hinaus dauerhaft in der Stadt zu präsentieren. Scheinbar reichen ihn die bekannten städtischen Comicfiguren nicht aus. Den aufsehenerregendsten Auftritt hatte aber ganz fraglos Ralf König. Ihm wurde der „Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk“ verliehen.

Ralf König zeichnet für uns rh Ralf König zeichnet für uns
König rh Das Ergebnis

Dazu hatte er sich hübsch gemacht. Zum goldenen Paillettenkleid, mit sehr weiblichen Formen, trug er rote Lacklederpumps. Eine hohe Bienenkorbfrisur und eine Schmetterlingsbrille zierten den Kopf. Im ähnlichen Outfit stand er übrigens schon 1992 auf der Bühne und schockte damit den damaligen Oberbürgermeister Dr. Hahlweg. 22 Jahre später und zwei Oberbürgermeister weiter schockt so etwas nicht mehr. Für die verschiedenen Preiskategorien waren insgesamt 25 Werke nominiert. Leider ließen es sich die beiden Moderatoren nicht nehmen, die jeweiligen Werke abwechselnd in der Regel über 5 Minuten lang zu würdigen. So zog sich die Gala ziemlich in die Länge und war sehr bräsig und somit auch langweilig. Hella von Sinnen war dazu schlecht vorbereitet, mehrfach rätselte sie vor dem Publikum über die richtige Aussprache ausländischer Künstler und spätestens nach einer halben Stunde werden ihre witzigen Bemerkungen schal. Für den nächsten CSE sollte deshalb das Konzept der Gala überdacht werden.

Insgesamt war der CSE 2014 wieder einer der kulturellen Leuchttürme Erlangens, wie bei allen sehr guten Ereignissen war er viel zu schnell vorbei und hat großen Appetit auf 2016 gemacht.

 

Aus der Praxis

Gute Interessenvertretung ?

Im Rahmen der Tarifverhandlungen für den Sozial- und Erziehungsdienst im Jahr 2009 wurde ein neues Eingruppierungsmerkmal, die Vergütungsgruppe S 14 geschaffen. In dieser werden Sozialpädagogen eingruppiert, „die Entscheidungen zur Vermeidung der Gefährdung des Kindeswohls treffen und in Zusammenarbeit mit dem Familiengericht bzw. Vormundschaftsgericht Maßnahmen einleiten, welche zur Gefahrenabwehr erforderlich sind“. Bei der Stadt ist dieses Merkmal für einige Beschäftigte zutreffend. Die Betroffenen haben noch 2009 Höhergruppierungsanträge gestellt und sich an den Personalrat mit der bitte um Unterstützung gewandt. Der Personalrat hat in der Folge zahlreiche Gespräche mit dem Personalbereich und den Tarifexperten von ver.di geführt und parallel die Betroffenen regelmäßig informiert und das weitere Vorgehen besprochen. 2010 wurde erreicht, dass die Beschäftigten im Allgemeinen Sozialdienst (ASD) nach S 14 kommen. Erlangen war neben München eine der ersten Städte wo dies erreicht wurde. Bei allen Beschäftigten außerhalb des ASD wurden die Höhergruppierungsanträge abgelehnt. Begründet wurde dies mit einer Rechtsauffassung des Arbeitgeberverbandes, dass beide Tätigkeitsmerkmale zusammen einen Zeitanteil von mindestens 50 % der Arbeitszeit erreichen müssen. Eine Position die völlig daneben lag, denn bundesweit erfüllt kein Sozialpädagoge diese Voraussetzung, zu 50 % der Arbeitszeit Maßnahmen bei Gericht zu beantragen. Nachdem bundesweit einige Arbeitsgerichtsverfahren zu genau dieser Zeitanteilsfrage liefen, erreichte der Personalrat  am 8.12.2011 eine Vereinbarung mit dem Personalamt, dass die laufenden Eingruppierungsanträge „ruhend gestellt“ werden und erst nach vorliegen einer höchstrichterlichen Rechtsprechung wieder bearbeitet werden. Für die Betroffenen hatte dies den Vorteil, dass sie nicht einzeln vor dem Arbeitsgericht ihre Höhergruppierungen durchsetzen müssen. Im Sommer 2013 kam es zur Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts. Demnach muss das Merkmal „Maßnahmen bei Gericht beantragen“ vorhanden sein, muss aber keinen bestimmten Zeitanteil umfassen. Nach Vorliegen des schriftlichen Urteils wurden im Mai 2014 zwölf (!) Kolleginnen und Kollegen rückwirkend zum 1.11.2009 nach S 14 höhergruppiert. Auch wenn es die Betroffenen wohl verdient haben, ist es ein schöner Erfolg aller Beteiligten und ein Beispiel dafür, dass manche Dinge bei der Stadt vernünftig, auch von Arbeitgeberseite, bearbeitet werden.

OB Janik hat Zweitjob

Klar, unser neuer OB ist jung und dynamisch und scheinbar durch sein Amt nicht ausgelastet. Nur so können wir uns erklären, dass er am Dechsi noch einen Biergarten betreibt.

Statt Sommerloch: endlich einmal wieder Spaß am Dechsi! Jeder Rentner darf sich auch eine leere Pfandflasche mitnehmen…

Janik wl Nebenverdienst am Dechsi

MITMACHEN

10. September ver.di Betriebsgruppe trifft sich

Die Arbeit von ver.di bei der Stadt Erlangen wird in monatlichen Treffen der Betriebsgruppe, im Jahr 2014 jeweils mittwochs ab 17.00 Uhr bestimmt. Jedes ver.di-Mitglied bei der Stadt kann gerne mitmachen, Kommen und seine Ideen und Anregungen einbringen. Wer künftig eingeladen werden möchte, einfach bei uns melden, telefonisch oder per Mail an roland.hornauer@stadt.erlangen.de. Die interne Einladung enthält zusätzlich immer lesenswerte Tagesordnungspunkte. Das nächste Treffen ist am Mittwoch 10. September, 17.00 Uhr, Sitzungsraum im Kleinen Rathaus, Schuhstr. 40. Thema ist die anstehende Verlängerung der Rahmenvereinbarung mit der Stadt und die Arbeitsplanung für den Herbst. Daneben werden natürlich aktuelle Punkte aus der Stadtverwaltung besprochen.

 

MITMACHEN – MITGESTALTEN

15.9.2014 Mitgliederversammlung des Ortsverein Erlangen

Alle vier Jahre werden die gewerkschaftlichen Gremien in Mitgliederversammlungen bzw. in Delegiertenkonferenzen neu bestimmt. Die Mitgliederversammlung des ver.di Ortsverein Erlangen findet am Montag 15. September, 18.00 Uhr, Sitzungsraum im Kleinen Rathaus, Schuhstr. 40 statt. Auf der Tagesordnung stehen der Tätigkeitsbericht des bisherigen Ortsvereinvorstandes, die Neuwahl des OV-Vorstandes, die Wahl der Delegierten zur Bezirkskonferenz und Anträge. Diese können/müssen bis 1.9.2014 eingereicht werden, entweder an den ver.di Bezirk Mittelfranken oder an den Ortsvereinsvorsitzenden Roland Hornauer schicken. Teilnahmeberechtigt sind alle ver.di-Mitglieder die in Erlangen und im Landkreis arbeiten oder bei Nichterwerbstätigkeit wohnen.

 

Nachhaltigkeit ?!?

Kürzlich bekam die Aréna da Amazônia sogar ein Zertifikat für Nachhaltigkeit – weil man Regenwasser für die Klos und zum Gießen des Spielfeldes benutzt. Mancher mag das Wörtchen „nachhaltig“ für fragwürdig halten, bei einem Stadion, das nicht nur Unsummen öffentlicher Gelder verschlang, sondern bei dessen Bau vier Arbeiter zu Tode kamen. Das Stadion liegt mitten im Regenwald in Manaus und wurde für die Fußball WM gebaut. Ein erstligataugliches brasilianisches Fußballteam existiert weit und breit nicht.

SATIRE — Neues von Herrn L.

Von Fussball und anderen Schlachten

Während der Landsknecht in früheren Zeiten einen Brustpanzer und einen Helm trug, kleidet sich der deutsche Fußball-Patriot heute modern mit zwei Außenspiegel-Bikinis vor den Augen, zwei Deutschland-Fahnen über den Ohren und einem schwarz-rot-goldenen Brett vor dem Kopf.

In zurückliegenden Kriegszeiten galt die hohe Kunst der militärstrategischen Kriegsführung ausschließlich als Privileg für Feldherren und Offiziere. - Heute dagegen finden die Angriffsplanung der deutschen Mannschaft und die Analyse der gegnerischen Kräfte schon durch Softwareingenieure oder sogar Lehrer statt. Der persönliche Erhalt des WM-Planers gilt als offizielle Schlachtenübersicht und stellt pauschal quasi die ausnahmslose Kriegserklärung Deutschlands an den Rest der Welt für die nächsten Wochen dar. - Manche deutschen Fußball-Patrioten bilden bereits zu diesem Zeitpunkt kleine Führungsstäbe mit ihren Freunden und bauen Sandkästen mit Fußballfeldern im Nebenzimmer ihrer Stammkneipe auf, wo während der Weltmeisterschaft dann bedeutende Spiele und Kämpfe nachgestellt werden. Die alle vier Jahre stattfindende Fußball-Weltmeisterschaft ist jedenfalls der absolute Höhepunkt im Leben jedes deutschen Mannes. Die Jahre davor und danach bedeutungslos und dienen allenfalls dem Training und der Erholung. Unmittelbar nach den ersten Spielen beginnt der deutsche Fußball-Patriot mit der ideologischen Feindbekämpfung. Die Wehrkraft eines Volkes, so hat er gelernt, hängt viel davon ab, ob der Gegner in der Agitation qualifiziert bekämpft wird. Nichts wäre schlimmer als auch nur ein Funken Sympathie des Zuschauers für die Fußballmannschaft eines anderen Landes. - Manche Zitate, die er zur Agitation verwendet, stammen deshalb sogar aus dem traditionellen Wortschatz der beiden Weltkriege. Dabei sind manche reformierbar, etwa „Jeder Schuß’ ein Russ“ - vor allem wenn keine russische Mannschaft sich für die WM qualifiziert hat. Andererseits gibt sich der deutsche Fußball-Patriot auch gelegentlich staatsmännisch und gönnerhaft, etwa wenn eine afrikanische Mannschaft der Gegner ist, die aus einem ehemaligen deutschen Kolonialstaat hervorgeht. - Zumindest solange sie nicht gewinnt.

Frauen spielen bei den modernen Schlachten vor dem Flachbildschirm übrigens eine herausragende Rolle. Sie übernehmen die komplette logistische Versorgung der Helden mit Bier, Schnaps, Grillfleisch, Vuvuzelas, Kopfschmerztabletten und Böllern. Für den erschöpften und weinenden Mann haben sie bei der Niederlage der deutschen Mannschaft stets tröstende Worte übrig, und Langeweile während der Halbzeitpause werden aufopferungsvoll mit schwarz-rot-goldener Zärtlichkeitüberbrückt.

 

Skandal – Stadtrat nimmt Kindern den Platz weg

Anfang Juli war es drückend heiß und die Erlanger Bäder waren fast überfüllt. Gerade im Röthelheimbad war die große Wasserrutsche dicht von Kindern umlagert und es kam zu starken Gedrängel. Verstärkt wurde das Ganze noch, weil Ältere wie der Stadtrat Munib Agha ihre Ellbogen einsetzten und die Kids verdrängten. Das Beweisfoto wurde am Sonntag, 6.7.2014 aufgenommen.

Nimmt Kindern Rutschplätze weg - Munib Agha fb - ma Nimmt Kindern Rutschplätze weg - Munib Agha

Neues Konzept – Begrüßung am Telefon

Im Personalbereich wurde ein neues Konzept entwickelt, um innerstädtische Telefongespräche persönlicher werden zu lassen. Statt der Amtsbezeichnung ist künftig der Wohnort zu nennen. Zur Verdeutlichung die Aufzeichnung eines Gespräches am 4.7.2014 mit einer Sachbearbeiterin des Personalamtes. „Tu, Tut, Tut“, Kollegin aus dem Personalamt: „Schmitt, Baiersdorf“ – der Anrufer: „Müller, Erlangen“. Der Vorteil dieser Gesprächseröffnung ist, dass schneller persönliche und private Dinge besprochen werden und der ursprüngliche dienstliche Anlass in Vergessenheit gerät.

 

Auflösung und neues Rätsel

Letztes Mal machten wir es aus unserer Sicht schwer und fragten wie heißt der abgebildete junge Mann, der das erste Fass beim Grillfest spritzerlos anzapfte, was durfte er überraschenderweise ein paar Tage später eröffnen und in welcher Beziehung steht er zur Vertrauensperson der Schwerbehinderten? Wir waren erstaunt, dass drei richtige Lösungen eingingen. Klar, Dietmar Radde zapfte beim Grillfest das erste Fass an, dies war für Grillfestbesucher nicht ganz so schwer. Dass Dietmar am 27.5.2014 den Spielplatz Goldberglein in Alterlangen eröffnete, weil OB Janik im Stau steckte konnten nur aufmerksame Leser der Erlanger Nachrichten wissen und dass er während seiner Personalratsfreistellungsstunden in einen Zimmer mit der Vertrauensperson der Schwerbehinderten Silvia Beyer sitzt, dachten wir ist nicht so bekannt. Als Belohnung erhielten die drei Schlaufüchse ein ver.di Schlampermäppchen. Das neue Rätsel ist dieses Mal ohne Foto, wir fragen nämlich nach der städtischen Person die bei einer Erlanger Vorortkirchweih in der Losbude steht. Aufgelöst wird im nächsten Info per Bild.

 

Resonanz im Internet

Wir bekommen wöchentlich eine Auswertung wie unsere Internetseiten (www.erlangen.verdi.de) genutzt werden. In der Woche vom 7. bis 13.7.2014 verzeichneten wir deutlich weniger Besuche als sonst. 45 Mal wurden unsere Internetseiten besucht, in den beiden Wochen davor waren es 75 bzw. 53. Ein deutliches Zeichen, dass sehr viele dem Fußball WM Endspiel entgegen fieberten. Auch interessant, erstmals kamen alle Zugriffe aus Deutschland. Sind wir nicht mehr international genug?

 

Alle nachstehenden Informationen und Materialien etc. können bei Silvia Beyer, Gisela Strobel oder Werner Lutz, PR,  (86 2420, 86 1685 oder 86 2384, Fax 86 2878, Mail roland.hornauer@stadt.erlangen.de) angefordert werden!

  • Albrecht Kieser, FREIHANDELSABKOMMEN: Wie TTIP nationale Standards aushebeln kann. Deutschlandfunk – Hintergrund, Beitrag vom 11.07.2014 18:40 Uhr
  • Ver.di-Wirtschaftspolitik aktuell Nr. 12/2014 - Milliardäre zahlen nichts
    Aktuell prüft das Bundesverfassungsgericht die übermäßige Begünstigung des „Betriebsvermögens“ bei der Erbschaftsteuer. Damit können die Reichsten der Reichen praktisch steuerfrei ihre Vermögen vererben oder schenken. 2012 war das ein gigantisches Steuergeschenk von knapp elf Milliarden Euro.
  • Flugblatt zu Konkretisierung der (Alters-)Diskriminierung bei der Beamtenbesoldung
  • ver.di-Bundesvorstand, TTIP und TiSA: Eine neue Runde der Liberalisierungen in der EU-Handelspolitik
  • Rede der Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Andrea Nahles, zum Tarifautonomiestärkungsgesetz und zur Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns vor dem Deutschen Bundestag am 3. Juli 2014 in Berlin
  • FIFA – Seriensieger der Fußball-WM
    Eine Veröffentlichung des DGB Bundesvorstandes zeigt auf wie die FIFA auf Kosten Brasiliens einen riesigen Gewinn macht.

 

Surfen 149

Der DGB hat auf seiner Homepage in einem Dossier Informationen zum Freihandelsabkommen TTIP gebündelt: Artikel, Interviews, Stellungnahmen, Beschlüsse, weiterführende Links: http://www.dgb.de/-/7Kn

Das eignet sich sehr gut, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Neues vom Dialegtbeaufdragdn Nord

„ik sech di, ik sech di“

Der Dialegtbeaufdragdn Nord existiert wirklich, es ist der ver.di Kollege Reinhard Vieth aus Schleswig und er schaut so aus:

Unser Dialegtbeaufdragdn Nord rv Unser Dialegtbeaufdragdn Nord

SERVICE

Zeitplaner für ver.di-Mitglieder

Der begehrte „Zeitplaner für das Schuljahr 2014/2015“ vom ver.di-Landesbezirk Bayern für ver.di-Mitglieder in Bildungs- und Erziehungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche wurde am 16. Juli 2014 verschickt. Für den Fall, dass uns ein Fehler unterlaufen ist und wir ein Mitglied vergessen haben, bitten wir um umgehende Nachricht. Auf den ersten Seiten des Zeitplaners wird über die aktuelle Gewerkschaftsarbeit informiert. Themen sind die Arbeitsbedingungen, die betriebliche Gesundheitsförderung und der Gesundheitsschutz. Alles Themen die auch bei der Stadtverwaltung Erlangen zur Zeit aktuell sind.

Termine

Diskussion nach der Bergwerkskatastrophe von Soma

Die Bergwerkskatastrophe im türkischen Soma hat weltweit tiefe Trauer ausgelöst. Über 300 Kumpel haben bei der Arbeit ihr Leben verloren. Die Solidarität war groß. Überall wurden Mahnwachen, Kundgebungen, Demonstrationszüge abgehalten. Weltweit legten Bergarbeiter ihre Arbeit für einen Tag nieder und trauerten mehrere Tage. Dieses „Unglück“ war weder ein Unglück, noch war es Schicksal. Vielmehr sind es die mangelnden Sicherheitsbedingungen gewesen, denen die Kumpel zum Opfer gefallen sind. Soma ist das größte Bergwerk in der Türkei und war einst in öffentlicher Hand. Nach ihrer faktischen Privatisierung durch die AKP-Regierung sind die Sicherheitsbedingungen zum Wohle des Profits nicht erweitert worden. Anträge der Opposition, die Arbeitsbedingungen im Soma-Bergwerk überprüfen zu lassen, sind von der Regierung stets abgeschmettert worden. Hinter dem schnellen Wachstum und hohen Profit der Eigner mussten die Sicherheitsbedingungen zurückstehen. Was ist nach der Bergwerkkatastrophe passiert? Haben sich die Arbeitsbedingungen verbessert? Wie kann und muss internationale Solidarität dabei aussehen? Diese und weitere Fragen werden türkische und deutsche Gewerkschafter und ein Arbeiter aus der Soma Bergwerk beantworten.

Datum:  24. Juli 2014
Uhrzeit: 18:00 Uhr

Ort: Gewerkschaftshaus, 7. Stock, Burgblick, Kornmarkt 5-7, 90402 Nürnberg

Podiumsteilnehmer:

Elif Çuhadar, Gewerkschaft Kesk - Eğitim Sen

Metin Kurşuncu, Soma Arbeiter

Vertreter der IG BCE

 

Nachhaltig ?!?

Zurzeit wird überlegt, wie viel Wasser die Produktion von Kaffeebohnen erfordert und welche unverantwortliche Ressourcenverschwendung das Wegschütten nicht konsumierten Kaffees bedeutet. Logisch und sinnvoll ist es nur so viel Kaffee zu kochen wie gebraucht wird. Andererseits erlauben wir uns den Hinweis, dass die Beschäftigung städtischer Mitarbeiter auch Ressourcen verbraucht. Manche dieser Mitarbeiter essen sogar Fleisch wie Steaks. Dafür werden in Argentinien Wälder abgeholzt, die Rinder produzieren Treibhausgase usw.. Darunter leiden die Menschen in Argentinien sehr, sind stark geschwächt und verlieren dadurch manches Endspiel. Aus dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit heraus wäre schon viel gewonnen, wenn städtische Beschäftigte sinnvoll eingesetzt werden.

Wiebusch rh Wiebusch

CULDUR

MARCUS WIEBUSCH

19.6.2014 ERLANGEN – E-WERK-Saal

Feiertag, zeitgleich Fußball WM und der Comicsalon in Erlangen mit einigen Abendveranstaltungen waren für den Kettcar Sänger und Gitarristen eine harte Konkurrenz. Der E-Werk Saal füllte sich so nur zur Hälfte. Es waren aber offensichtlich mehr, als das E-Werk rechnete. Die Schlange am Getränkestand war jedenfalls rekordverdächtig und ging quer durch den Saal. Marcus Wiebusch hat vor kurzen eine Soloscheibe „Konfetti“ herausgebracht und diese stellt er jetzt auf der Solotour vor. Begleitet von 7 weiteren Musikern, darunter sogar eine dreiköpfige Bläserfraktion wurden „Konfetti“ mit allen 11 Songs komplett und fast so perfekt wie auf CD gespielt. Die Songs sind im Vergleich zu den Kettcarstücken vom Sound her viel dichter, vielseitiger und breiter angelegt. Teilweise Orchestral, mit Bläsern, klassischen Piano bis hin zu Electro Elementen. Kein Wunder also, dass dafür acht Leute auf der Bühne stehen.  Wiebusch erklärt zwischen den Songs ausführlich um was es geht und wie gewohnt wird mit „… und das geht so“ der Song gestartet. „Jede Zeit hat ihre Pest“ und „Haters Gonna Hate“ sind laut Wiebusch eine Premiere für Erlangen. Es sind seit dem ersten Auftritt 1992 im E-Werk die ersten Songs bei denen er nicht Gitarre spielt, sondern „nur“ singt. Vor dem 9. Song wird von Fans Konfetti auf die Bühne geworfen. Dies ist Wiebusch doch dann zu blöd und er zieht den Kettcar-Song „Balkon“, mit neuer zweiter Strophe in der die Geschichte aus der anderen Perspektive erzählt wird, vor. Erst danach wird „Schwarzes Konfetti“,  entgegen der Setlist, als 10. Song gespielt. Zum Schluss des regulären Set gibt es noch den Song „Der Tag wird kommen“ gegen Homophobie im Fußball und überall. Live wird besonders der musikalische Spannungsbogen des über 8 Minuten langen Stücks deutlich, von Wiebusch übrigens vor Hitzelsbergers Coming-Out geschrieben. Zu Beginn wird fast euphorisch ein anstehendes Coming Out eines Fußballers thematisiert, im Mittelteil die Resignation, das Kleingeister etc. dieses gerade verhindern und zum Schluss eher kämpferisch, dass es in Zukunft wohl jemand dann doch machen wird. Mit „Schrilles Buntes Hamburg“ und „48 Stunden“ besteht der erste Zugabenblock aus leicht veränderten Kettcarsongs. Zum Abschluss darf dann das Publikum abstimmen, welcher „Konfetti“-Song ein zweites Mal gespielt wird. Erlangen entschied sich natürlich für „Das Böse besiegen“ und gegen „Haters Gonna Hate“. Nach 75 Minuten war das gute Konzert viel zu schnell vorbei. 24 Euro für die Songs einer CD plus drei Kettcar Songs sind allerdings kein überragendes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Wiebusch mit Band rh Wiebusch mit Band

ver.di-Info